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Hypothyreose in der Schwangerschaft anhand klinischer Beschwerden nicht sicher zu identifizieren

Mittwoch, 15. November 2017

Die Frage, ob in der Schwangerschaft ein generelles TSH-Screening empfohlen werden kann, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Leitlinie des American College of Obstetricans and Gynecologists von 2015 spricht sich beispielsweise gegen ein universelles TSH-Screening in der Schwangerschaft aus (ACOG 2015). Sie empfiehlt stattdessen, die Schilddrüsenparameter nur bei Schwangeren zu bestimmen, wenn diese eine bekannte Vorerkrankung der Schilddrüse, eine Struma oder aber Symptome einer Schilddrüsenfunktionsstörung aufweisen. Unklar ist dabei allerdings, inwieweit bei Schwangeren überhaupt eine vergleichbare Korrelation zwischen klinischen Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion und der tatsächlichen Schilddrüsenstoffwechsellage besteht, so wie für nicht-schwangere Patientinnen belegt.
Eine aktuelle niederländische Studie (Pop et al. 2017) untersuchte diese Frage an 2198 Frauen, indem klinische Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion mittels Fragebogen erfasst und mit den gemessenen Schilddrüsenwerten in der 12. SSW korreliert wurden. Hierbei ließ sich keinerlei Korrelation zwischen geschilderten Beschwerden und der Schilddrüsenstoffwechsellage feststellen. Es muss also im klinischen Alltag damit gerechnet werden, dass sowohl bei euthyreoten Patientinnen in der Schwangerschaft vermehrt Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion geäußert werden sowie andersherum auch eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft klinisch symptomlos bleiben kann.

Literatur
American College of Obstetricians and Gynecologists. Practice Bulletin No. 148: Thyroid disease in pregnancy. Obstet. Gynecol. 2015; 125: 996-1005
Pop VJ et al. Thyroid disease symptoms during early pregnancy do not identify women with thyroid hypofunction that should be treated. Clin. Endocrinol. (Oxf). 2017; Jul 26 [Epub ahead of print]

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